Objekt "Spessart"


Objekte

Spessart

 

Ein Märchen, das keines ist

von Brigitte Heck

 

 

Es war einmal ein wunderschöner, geheimnisvoller und verwunschener Märchenwald

namens „Spessart“.

Ihn schmückten jahrhundertealte Eichen und Buchen, Tiere und Menschen lebten

zufrieden darin und ergötzten sich an seiner Pracht.

 

Ein wahrer Schatz im Verborgenen.

 

Eines Tages fiel dieser Umstand den Herrschern des Landes auf. Ihre Burgen befanden

sich weit weg von dem herrlichen Wald, der am Rande ihres Besitzes lag.

 

Geldgier blitzte in den behördlichen Augen auf und man beschloss, den Spessart seiner

Schätze zu berauben und die schönen alten Bäume an andere Länder, die aus

irgendwelchen Gründen keine Wälder mehr hatten, zu verhökern.

 

In diesen Ländern wurde die alten Stämme zersägt und es wurden wertlose Dinge

daraus gefertigt, die dann wieder über das große Meer geschifft und in den Märkten der

Handwerker feil geboten wurden.

 

In der Folgezeit schrillten die Sägen im Spessart und Tag und Nacht.

Das Holz wurde in großen Lastwagen aus dem Wald geschafft.

Die vorher schönen Wege wurden lehmig und zerfurcht zurück gelassen.

Aber das interessierte fast keinen.

 

Von der einstigen stolzen Pracht des herrlichen Waldes sind nur geplünderte Spuren

übrig geblieben.

 

Da die Gazetten des Landes über dieses Drama nur spärlich berichteten, konnten nur

die Vögel das Ausmaß der Fledderei sehen.

 

Aber die Schatzkammern der Herrscher quollen über von dem Gold, das sie als

Bezahlung erhalten hatten.

 

Den einzigen „Vorteil“, den die Menschen im Lande des Spessarts hatten, war:

Hinter den spärlichen, dünnen Bäumchen, die geblieben sind, können sich keine Räuber

mehr verstecken.